Was für eine Rolle spielt die Erdölbevorratung in der Versorgungssicherheit unserer Wirtschaft?  Welche Vorteile hat die Erdölbevorratung? Und welche Auswirkungen hat der Krieg in der Ukraine für für die Sicherheit der Energiebereitstellung in Deutschland? eFUE-TODAY im Interview mit Frank Schaper, Geschäftsführer des Unabhängigen  Tanklagerverbands UTV.

eFUEL-TODAY: Herr Schaper, in den letzten Tagen treibt uns das Thema Energiesicherheit um. Nun geht es zwar vorrangig um Erdgas, jedoch sind auch weitere Energiequellen betroffen. Aktuell taucht immer wieder der Begriff „Erdölbevorratung“ auf. Was ist das genau?

Frank Schaper: Ein in der jüngeren Vergangenheit zu wenig beleuchteter Teil der Energiebereitstellung in der Diskussion um die Energiewende. Mich hat es bereits seit längerem verwundert, dass in den öffentlichen Gesprächen und Narrativen zur Energiewende die Versorgungssicherheit eine so geringe Rolle gespielt hat. Es ging in diesem Kontext meistens nur um Dunkelflauten. Dass sich auch andere Szenarien ergeben könnten, schien wenig wahrscheinlich.

Erdöl ist einer der wichtigsten Energieträger für Deutschland, rund 100 Mio. Tonnen pro Jahr werden in Deutschland verbraucht – für Chemie, Verkehr, Wärme usw.

Unter Erdölbevorratung versteht man eine staatlich koordinierte Bevorratung von flüssigen Energieträgern, auf die im Falle einer länger anhaltenden Versorgungskrise zurückgegriffen werden kann. Die Reserve muss für 90 Tage reichen, Deutschland mit Erdölprodukten zu versorgen.

Was wird genau wie bevorratet?

Frank Schaper: Die Bevorratungspflicht wird durch den Erdölbevorratungsverband koordiniert und umfasst neben Rohöl zusätzlich Fertigprodukte wie Ottokraftstoff, Dieselkraftstoff, Heizöl sowie Flugturbinenkraftstoff. Dabei sind die Vorräte im gesamten Bundesgebiet nach einem ausgeklügelten Plan so verteilt, dass im Krisenfall jede Region Deutschlands versorgt werden kann. Wenn ein Versorgungsengpass besteht, kann das Wirtschaftsministerium entscheiden, ob, wo und in welchem Umfang Bevorratungsmengen freigegeben werden.

Der EBV kauft die zu bevorratenden Produkte auf dem freien Markt ein und stellt ebenfalls sicher, dass ausreichend Lagerkapazität für diese Produkte zur Verfügung steht. Die Finanzierung der Bevorratungsmengen sowie der Anmietung von Tankraum wird über die EBV-Abgabe auf Energieerzeugnisse gewährleistet.

Frank Schaper, Geschäftsführer des Unabhängigen  Tanklagerverbands UTV

Ist der EBV eine freiwillige Initiative?

Frank Schaper: Nein, die EU Mitgliedsstaaten haben sich zur Krisenbevorratung verpflichtet. Lediglich die Umsetzung dieser Verpflichtung ist den EU-Mitgliedsstaaten überlassen – während der EBV selbst Eigentümer der Vorratsmengen ist, verpflichten andere EU-Staaten die Mineralölindustrie zur Bevorratung dieser Mengen.

Warum ist das verpflichtend?

Frank Schaper: Die Krisenbevorratung ist als Folge der ersten Versorgungskrisen in den 70er Jahren implementiert worden. Hiermit reagierte man insbesondere auf politisch motivierte Versorgungsunterbrechungen im Nahen Osten.

Was sind die Vorteile der Erdölbevorratung?

Frank Schaper: Die Krisenbevorratung verschafft einem Land eine zeitlich begrenzte Versorgungssicherheit im Falle von Unterbrechungen der Supply Chain. Diese Unterbrechungen können politisch als auch meteorologisch begründet sein.

Wer kann sich aus den Vorräten eindecken?

Frank Schaper: Dann können die Mitgliedsunternehmen im Erdölbevorratungsverband auf die Vorratsmengen zugreifen, das übrigens aber auch zu den dann herrschenden Marktpreisen.

Wenn die Bestände länger liegen, verlieren sie dann nicht an Qualität?

Frank Schaper: Die EBV Bestände unterliegen der regelmäßigen Frischhaltung. Die Verantwortlichkeit hierfür wird in den Lager- und Umschlagsverträgen geregelt. In der Gemeinschaftslagerung sorgen die Einlagerer für eine kontinuierliche Frischhaltung – in der separaten Lagerung ist das die Aufgabe des EBV. Regelmäßige Bemusterungen und Labor-Analysen geben darüber hinaus Auskunft über die aktuelle Qualität des Produkts.

Wie sieht die Zusammenarbeit des UTV mit dem EBV aus?

Frank Schaper: Die Zusammenarbeit des UTV mit dem EBV ist seit vielen Jahren durch einen regelmäßigen und konstruktiven Informationsaustausch geprägt. Als außerordentliches Mitglied im UTV nehmen der EBV und seine Repräsentanten regelmäßig an Arbeitskreissitzungen und Veranstaltungen des UTV teil.

Sehen Sie einen Engpass bei Erdöl für Deutschland in den kommenden Monaten?

Frank Schaper: Für die nächsten Monate sollte man in Deutschland zwar mit einem höheren Preis für Mineralölprodukte rechnen, einen Engpass sehe ich tendenziell eher nicht. Abhängig von den weiteren Sanktionsmaßnahmen kann es dazu kommen, dass Deutschland und Europa andere Versorgungswege implementieren und insofern eine Diversifizierung der Energiequellen vorantreiben müssen.

Höhere Versorgungssicherheit durch E-Fuels

Die aktuelle Situation sowohl an den Zapfsäulen als auch geopolitisch beweist: Bei der Versorgung mit Energie – also auch mit flüssigen Energieträgern – muss auf Vielfalt geachtet werden: Wir brauchen verschiedene Energieträger und verschiedene Energielieferanten. Dabei eignen sich synthetisch erzeugte Kraft- und Brennstoffe (sog. E-Fuels) hervorragend, um diese Unabhängigkeit herzustellen! E-Fuels können viel Energie aufnehmen (hohe „Energiedichte“), sind leicht transportierbar, die Infrastruktur dafür ist vorhanden, man kann sie jetzt schon verwenden und muss nicht die gesamte Antriebstechnik ändern, sondern kann sie beimischen und in bereits produzierten Bestandsfahrzeugen verwenden. So wird Mobilität mit Hilfe der E-Fuels nach und nach grüner.

Mehr Informationen zum Potential der E-Fuels in der Versorgungssicherheit


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2 Comments

  • Joachim Königs sagt:

    Ich bin für die Einführung von E-Fuels und würde diese auch bei minimal höheren Preisen, mineralischen Kraftstoffen vorziehen. In anderen europäische Ländern, sind diese bereits an Tankstellen zu bekommen. Vielleicht ist eine Beimischung der E-Fuels, wie es bereist mit Biokraftstoffen bei E5, oder E10 geschieht, ebefalls möglich. Ich denke schon. Der CO2 Ausstoß würde wahrscheinlich deutlich sinken.

  • Maximilian sagt:

    Ich finde E-Fuel super

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