Wir sprechen mit Dr. Mark Warnecke, Dreifach- Schwimmweltmeister über 50 und 100 Meter Brustschwimmen, Arzt, Unternehmer und Autoliebhaber. Er besitzt sowohl Autos mit Verbrennungs-, als auch Elektromotor und berichtet darüber technikoffen und authentisch, unter anderem auf Facebook.

Über die Vergleiche zwischen Autos mit Verbrennungs- und solchen mit Elektromotor wird in der Bundesrepublik viel – und teilweise hitzig – diskutiert. Umso interessanter ist es, die Meinung von jemandem zu hören, der Fahrzeuge mit beiden Antriebsarten besitzt und auch in seinem echten Alltag einsetzt. Wie beurteilt ein solcher Autofahrer die tatsächliche Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit beim Verbrenner im Vergleich zum E-Auto? Was kann er empfehlen, wo übt er Kritik?

Dr. Mark Warnecke ist beruflich viel unterwegs und er liebt gute Autos – und zwar völlig unabhängig davon, ob sie groß oder klein, schnell oder gemütlich, Benziner oder Stromer sind. Seine technologieoffene Leidenschaft umfasst deshalb deutsche Sportwagen genauso wie französische Flitzer und eben auch Elektroautos. Er setzt in seinem beruflichen und privaten Alltag Diesel- und Benzinfahrzeuge seit Jahren genauso ein, wie seinen BMW i3 mit Elektroantrieb.

Bereits Anfang 2020 machte er auf Facebook von sich reden, als er die realistischen Betriebskosten seines kleinen, aber feinen Elektro-BMWs mit denen seines anderen Alltagsautos, einem Mercedes Diesel und sogar einem Porsche Turbo verglich. Sein überraschendes Ergebnis: Der kleine Stromer kann im Winter ganz schnell mehr Kosten verursachen als die beiden anderen Fahrzeuge. Je nach Strompreis – der von einem Ladestationsbetreiber erst vor kurzem noch einmal nach deutlich oben geschraubt wurde – kam der Arzt und Unternehmer auf einen Preis zwischen 21,80 und 36,30 Euro auf 100 Kilometer. Damit ist das kleine Elektroauto ziemlich genauso teuer wie ein Porsche Turbo, den Warnecke beim damaligen Benzinpreis von 1,35 Euro je Liter und einem satten Verbrauch von 16 Litern auf 100 Kilometer bei 21,60 Euro verortet. Sein Mercedes Diesel sorgt mit lediglich 12,50 auf 100 Kilometern sogar für eine noch größere Überraschung. Zahlen aus dem echten Alltag, die man sonst fast nirgendwo so deutlich präsentiert bekommt.

Dr. MArk Warnecke

Dr. Mark Warnecke ist beruflich viel unterwegs und er liebt gute Autos

„E-Autos sind teurer als man denkt“

Mark Warnecke bringt es auf den Punkt: „Das Laden von E-Autos ist einfach viel teurer als die meisten Menschen denken, vielleicht ist dies auch eine Folge der deutschen Energiewende. Wenn ich beim Laden 70 Cent bezahle ist so ein kleiner BMW i3 auf 100 Kilometer gerechnet im Winter auf einmal teurer als ein großer Ford Pickup mit Benzinmotor.“

Außerdem bemängelt er, dass die Preise an den Ladesäulen, von denen der Unternehmer mittlerweile die meisten zwischen Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet schon einmal besucht hat, ziemlich intransparent seien. Damit sind die tatsächlichen Verbrauchskosten von E-Autos, besonders im Winter, wenn die Fahrerinnen und Fahrer auf Heizung und Klimaanlage nicht verzichten können, die den Verbrauch deutlich in die Höhe treiben, so etwas wie der Elefant, der mitten im Raum steht, aber von dem alle so tun, als ob sie ihn nicht sehen. Am Ende entscheidet aber immer die Wirtschaftlichkeit darüber, ob eine neue Technologie von der Bevölkerung angenommen wird oder nicht, egal, ob es sich dabei um Elektromotoren oder E-Fuels handelt.

„Wenn man sowohl Verbrenner als auch Elektroautos seit Jahren mehr oder weniger täglich einsetzt, merkt man irgendwann, das irgendetwas nicht stimmt und fängt an, die tatsächlichen Kosten einmal auszurechnen. Und dann wundert man sich schon sehr. Wir können doch in Deutschland keine klimafreundlichere Mobilität fordern und gleichzeitig solche Strompreise haben und E-Fuels nicht genügend fördern.“

„Ich bin Elektro-Fan“

Dabei ist Warnecke ein echter Fan seines kleinen, wenn auch mit fast 55 000 Euro Kaufpreis, nicht gerade günstigen Elektroautos. „Ich besitze seit Jahren einen BMW i3 und nutze ihn häufig im Alltag. Tatsächlich fahre ich die fünf Kilometer ins Büro am liebsten mit dem i3, da macht ein Elektroauto für mich persönlich auch tatsächlich Sinn. Auf der Strecke wird ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ja nicht einmal richtig warm. Ich habe mir allerdings bewusst den i3 mit Reichweitenextender, also einen Extra-Benzinmotor, gekauft. Dieser kleine Verbrenner hat mir auch schon einige Mal aus der Patsche geholfen.“

Warnecke liebt seinen kleinen E-Wagen und findet auch Vorteile, die vielleicht nicht sofort ins Auge fallen. „Ich muss beruflich häufiger fliegen und fahren dann immer mit dem i3 zum Flughafen Düsseldorf. Weil der aus Kunstoff ist, kann da nicht viel passieren auch wenn der Nachbar einmal seine Tür dagegen schlägt. Auch die Größe ist für ein Elektroauto absolut sinnvoll. Mein i3 verkörpert für mich das Elektroauto-Konzept wie es sein soll: kompakte Maße für die Kurzstrecke.“ Aber die clevere Konstruktion und das schicke Design seines E-Autos täuschen den Arzt und Unternehmer nicht über die Schwachstellen des Konzepts hinweg. Mehr als einmal wäre Mark Warnecke bereits liegen geblieben, obwohl er im Prinzip alles richtig gemacht hatte, besonders bei kälteren Temperaturen.

Gerettet vom Range-Extender

„Ich erinnere mich an einen Fall im vergangenen Winter, da war ich spät dran und musste nach einem Stau ein wenig schneller zum Flughafen fahren, und habe dadurch natürlich auch etwas mehr Strom verbraucht. Als ich abends wieder in Düsseldorf landete waren es minus fünf Grad, da dachte ich mir schon, das wird jetzt richtig knapp mit der Reichweite. Leider war auf der Autobahn dann noch ein Glatteisunfall, also musste ich einen Umweg fahren. Nach Hause bin ich am Ende dann wieder einmal nur durch den zusätzlichen Benzinmotor gekommen. Gut, dass ich den damals mitbestellt habe. Man sieht also: die Entfernung hätte locker passen müssen, die Planung war richtig, aber es passieren halt auch unvorhergesehene Dinge und schon funktioniert mein E-Auto nicht mehr und schafft am Ende keine 140 Kilometer.“

Das Ärgerliche daran ist natürlich auch, dass ein auf der Autobahn liegengebliebenes Elektroauto meist nur durch Abschleppen von der Stelle bewegt werden kann. Oder, wie Warnecke es auf den Punkt bringt: „Beim Benziner nimmst du halt deinen Ersatzkanister und besorgst dir ein paar Liter Sprit.“

„Es gibt sinnvolle Anwendungen für E-Autos“

Seine Meinung: „Mein BMW i3 ist ein wirklich tolles Auto. Auf der Autobahn geht der Verbrauch natürlich rapide hoch, aber wenn ich zügig unterwegs sein möchte, nehme ich den Wagen ja auch gar nicht. Ich finde das Auto nach wie vor sehr, sehr gut, aber es hat eben einen sehr eingeschränkten Arbeitsbereich, darüber muss man sich klaren sein. Und das trifft meiner Meinung nach auf E-Mobility im Allgemeinen zu.“

Warnecke weiter: „In der Stadt, zum Beispiel für Handwerker ist Elektro wirklich gut. Bei hohen Kilometerleistungen kommen E-Autos auch irgendwann einmal an eine positive CO2-Bilanz. Aber gleichzeitig muss man eben auch nach der Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit fragen. Die ersten E-Autos werden jetzt 10 Jahre alt und sind nun praktisch unverkäuflich, weil neue Batterien viel zu teuer wären. So werden eigentlich noch sehr junge Autos quasi weggeschmissen, dabei macht es natürlich für den Klimaschutz Sinn, seine Autos möglichst lange zu fahren. Wir in Deutschland preschen jetzt vor und sagen, E-Mobilität, das soll es jetzt sein.

Dabei beachten viele Menschen gar nicht, dass es in ländlichen Regionen unzählige Pendler gibt, die sehr weit fahren müssen und dass es sehr, sehr viele Jobs im Außendienst gibt. Ich selbst bin bis vor kurzem rund 100 000 Kilometer im Jahr gefahren, da kommt E-Mobility gar nicht in Frage, weil sie da einfach nicht funktioniert. Ich wüsste im übrigen auch gar nicht, wie ich das mit E-Mobilität und ihren langen Ladezeiten abdecken sollte, so viel Zeit hat das Jahr halt einfach nicht. Meine Frau dagegen ist Lehrerin und fährt mit dem Auto hauptsächlich eine Kurzstrecke zur Schule, da funktioniert unser E-Auto dann sehr gut, auch wenn die Kosten im Winter bei 20 bis 22 Kw/h deutlich über denen meines Diesels liegen.“

„E-Fuels sind ein Weg zu moderner Mobilität“

Wie steht der umtriebige Autoliebhaber zum Thema E-Fuels? „E-Fuels finde ich ein sehr spannendes Thema. Auch wenn die Effizienz momentan noch nicht sehr hoch ist, glaube ich da an Steigerungspotenzial. Regenerative Energien zu nutzen, um CO2-neutral zu fahren, ist einer der Wege zu einer modernen Mobilität. Man muss einmal bedenken, dass wir weder Flugzeuge noch Schiffe oder Lkws so bald auf Batteriebetrieb umgestellt bekommen werden, allein deswegen macht die Erforschung von E-Fuels absolut Sinn. Aber auch für den Privatverkehr, denn wir können nicht einfach verlangen, dass die Welt nun Millionen von Autos wegschmeisst, was auch umwelttechnisch eine Katastrophe wäre.

In Wahrheit sind die Autos, die wir aussortieren, nicht wirklich weg, die fahren dann einfach zum Beispiel in Afrika weiter. Die Welt hängt aber zusammen, Klimawandel ist eine globale Aufgabe. Elektroautos in Deutschland ändern am weltweiten CO2-Ausstoß wohl eher nichts. Hier sind E-Fuels genau der richtige Weg. Nur so bekommen wir die alten Autos CO-neutral. Vom Klimaschutz einmal abgesehen, stellen unsere alten Autos auch einen Kulturwert da. Deutschland ist mit Hilfe seiner erstklassigen Autoindustrie zu Wohlstand gekommen, daran dürfen wir uns gerne erinnern. Und auch soziale Aspekte spielen hier eine große Rolle, mit welchem Recht wollen wir zum Beispiel einer alleinstehenden OP-Schwester ihre Mobilität nehmen und sie zwingen, nach dem Nachtdienst auf einen Bus zu warten?

Ausbau der erneuerbaren Energien ist auch für die Produktion von E-Fuels essentiell

Die Nutzung regenerativer Energien ist für den Ausbau einer klimafreundlichen und CO2-neutralen Mobilität ein essentieller Erfolgsfaktor. Doch reicht es aus, wenn wir nur auf Wind-, Sonnen- und Wasserkraft setzen?

„Unsere Mobilität braucht mehrere Säulen“

Warnecke ist davon überzeugt, dass unsere zukünftige Mobilität auf mehreren Säulen ruhen muss. Alles auf E-Mobility zu setzen, hält er für einen schlechten Ansatz. „Es ist absolut weltfremd, wenn wir immer nur die Menschen in Berlin-Friedrichshain fragen, ob sie Autos brauchen. Da ist die Antwort natürlich nein. Aber sprechen wir einmal mit Menschen im Sauerland oder ländlichem Bayern bekommen wir ganz andere Ergebnisse. Ich finde E-Autos wirklich total super für den innerstädtischen Bereich und auch noch ein Stückchen weiter draußen, aber ansonsten sind sie einfach nicht praktikabel.“

Und wie lautet das Fazit von Warnecke? „Ich bleibe bei aller Kritik bei Elektromobilität, aber nur für lokale Fahrten. In der Stadt bieten E-Autos tatsächliche viele Vorteile, von lokaler Emissionsfreiheit bis hin zu vorhandener Ladeinfrastruktur. Ich sehe es auch einfach nicht ein, bei Schrittgeschwindigkeit einen Sechszylinder-Boxermotor hinter mir mit Sprit zu versorgen oder gar einen V8. Aber sobald man die Stadtgrenze verlässt oder eine längere Strecke fahren möchte, macht E-Mobility nur in Ausnahmefällen Sinn. Man muss sehr sauber planen, ist auch dann nicht vor unangenehmen Überraschungen sicher und vor allem braucht man sehr viel Zeit. Gerade die haben aber die meisten Menschen auf solchen Touren nicht, besonders diejenigen nicht, die beruflich unterwegs sind.“

Er hat auch einen konkreten Wunsch an die Hersteller von E-Autos:

„Wozu baut man Elektromotoren in Autos ein, die 700 oder mehr PS bringen, das ist doch totaler Quatsch und reines Prestigedenken. Leistung ist ja Energieverbrauch und für ein Auto, was höchstwahrscheinlich nur in Städten und ein wenig darüber hinaus unterwegs ist, reichen 200 PS doch locker aus. Wenn das hilft, die Preise endlich zu senken, wäre das eine vernünftige Sache.“


Bildhinweise:

© Porsche AG

© BMW AG

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