Monica Johannson ist Principal Analyst Energy & Fuel bei Volvo und Speakerin bei der European E-Fuels Conference, die dieses Jahr vom 9.-11. November in Hamburg stattfindet. Mit ihr haben wir uns über synthetische Kraftstoffe und die Zukunft der Mobilität unterhalten.

Monica Johannson im Interview mit eFUEL-TODAY

eFUEL-TODAY: Frau Johannson, Sie sind eine erfahrene Ultraläuferin und nehmen regelmäßig an Extremläufen teil. Wenn die Ziellinie die Netto-Null ist – in welcher Etappe des Rennens befindet sich Volvo aktuell?

Monica Johannson: Um einen 100-Kilometer-Lauf zu absolvieren, muss man sich gut vorbereiten, sein Ziel viele Jahre im Voraus festlegen, verschiedene Energiequellen testen und sehr motiviert und engagiert sein. Während des Rennens muss man Meilensteine setzen, Energie tanken, sich um potentielle Gefahren kümmern, positiv bleiben und sich darauf konzentrieren, wie sehr man den Zieleinlauf feiern wird.

Volvo und die Brennstoffzellenentwicklung kann man gut mit einem 100-Kilometer-Rennen vergleichen. Bereits 2020 kündigte Volvo ein Joint Venture mit Daimler Trucks zur gemeinsamen Produktion von Brennstoffzellensystemen an, mit dem Ziel, bis 2040 nur noch Fahrzeuge zu verkaufen, die mit kohlenstoffneutralen Kraftstoffen betrieben werden.

Es müssen nun viele verschiedene Arten von Kraftstoffen untersucht werden, wie erneuerbarer Diesel, Methan, Strom, E-Kraftstoffe und Wasserstoff. Zu den Meilensteinen gehören zum Beispiel die Erprobung des Brennstoffzellensystems als solches sowie der Einsatz in Fahrzeugen, bei der Betankung, Tests bei unterschiedlichen, klimatischen Bedingungen, Pilotversuche bei Kunden, Produktion in kleinem Maßstab und schließlich die Produktion in großem Maßstab.

Aktuell befinden wir uns in der Testphase, also vielleicht in der Mitte eines 100-Kilometer-Rennens.

Ist es hilfreich die Mentalität einer Ultraläuferin zu haben, wenn man daran arbeitet, die Zukunft fossilfrei zu gestalten?

Mit der Denkweise einer Ultraläuferin ist nichts unmöglich. Ultraläufer sind Experten für Problemlösungen und dafür bekannt, aus Fehlern zu lernen. Wenn ich zum Beispiel einen Energieriegel nicht vertrage, finde ich das schnell heraus. Dann probiere ich beim nächsten Mal ein anderes Produkt. Mein Motto ist: beobachten und daraus lernen. Was bei anderen klappt, kann auch für mich eine Lösung sein.

Vor zehn Jahren haben Sie Ihre Dissertation mit dem Titel „Fischer-Tropsch und FAME-Kraftstoffe als Alternativen für Diesel-Fahrzeuge – eine experimentelle Studie“ geschrieben – wie würde der Titel Ihrer These 2022 lauten?

Nachhaltige Kraftstoffe für Fahrzeuge, die keinen CO2-Footprint hinterlassen.

Volvo hat einen sehr ganzheitlichen Ansatz was eine fossilfreie Zukunft angeht. Ihr Unternehmen hat 2021 sogar das erste Modell auf den Markt gebracht, das mit fossil-freiem Stahl hergestellt wurde. Wann werden wir das erste Volvo-Fahrzeug sehen, das komplett emissionsfrei hergestellt wurde?

Volvo beabsichtigt, 2040 Netto-Null-Emissions-Fahrzeuge herzustellen, einschließlich der Scope 1, 2 und 3 Ziele.

Einige EU-Mitgliedsstaaten und Politiker legen den Fokus für Pkw auf eine rein elektromobilitätsbasierte Strategie. Wird die Batterie Ihrer Ansicht nach den Planeten retten?

Ich arbeite für die Volvo Gruppe, die keine Pkw, sondern Nutz- und Schwerlastfahrzeuge herstellt. Für diese wird die Batterie zwar eine wichtige Rolle spielen, aber nicht die ausschließliche. Sowohl Brennstoffzellenfahrzeuge als auch Verbrennungsmotoren sind wichtig, um die Anforderungen für alle unsere Fahrzeuge mit ihren unterschiedlichen Anwendungen zu erfüllen.

Wird es für Volvo weiterhin notwendig sein, Verbrenner weiterzuentwickeln?

Ja, es wird weiterhin Anwendungsfälle geben, wie etwa im Schwerlastverkehr. Auch bei infrastrukturellen Herausforderungen wird der Verbrennungsmotor erforderlich sein.

Aus Ihrer Perspektive: Wie wird die Mobilität in Europa 2030 aussehen?

2030 werden wahrscheinlich 30 Prozent der Schwerlastfahrzeuge elektrisch betrieben sein. Das umfasst dann sowohl Elektroantriebe als auch Brennstoffzellenfahrzeuge.

 


Quelle / Titelbild: © Volvo Trucks

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