eFUEL-TODAY im Interview mit Laura Kukuk, Fahrzeugtechnik-Ingenieurin und Oldtimer-Expertin.

Ein Baby-Benz von 1988, ein Morris Minor Traveller „Woody“ Jahrgang 1968 und ein Fiat 600 aus dem Jahr 1957: Das sind nur ein paar der Lieblinge, die Laura Kukuk in ihrer Garage stehen hat. Die 28-Jährige ist Fahrzeugtechnik-Ingenieurin und Oldtimer-Expertin. Gemeinsam mit ihrem Vater leitet sie im nordrhein-westfälischen Overath ein Ingenieurbüro als KfZ-Sachverständige mit Spezialisierung auf besondere Fahrzeuge. Bei ihren Reisen um die ganze Welt betreibt sie an seltenen automobilen Schmuckstücken Detektivarbeit, hat immer ihre Kamera dabei und schreibt online auf ihrem Blog über ihre große Liebe zum Automobil. Oder sie ist als Jurorin bei Concours-Veranstaltungen im Einsatz. Die Wandlerin zwischen den Welten über ihre außergewöhnliche Arbeit, die Faszination des Automobils und die umweltfreundliche Zukunft des Antriebs…

eFUEL-TODAY: Normalerweise reisen Sie als Oldtimer-Sachverständige um die Welt, um besondere Fahrzeuge aller Art zu bewerten. Momentan ist das wegen Corona etwas schwierig. Welches Auto hat Sie zuletzt am meisten beeindruckt?

Kürzlich ein Aston Martin DB4 GT Zagato – von diesem Fahrzeug wurden nur 19 Exemplare gebaut. Es ist ein wahnsinnig ästhetischer Wagen, sehr elegant und sportlich – das mag ich. Die letzte Reise, die mir in Erinnerung geblieben ist, war ein Trip nach Italien mit meinem Baby-Benz. Dort haben wir uns einen Ferrari Daytona angeschaut und eine aufwendige Authentizitätsprüfung durchgeführt, um die Originalität des Fahrzeugs zu prüfen. Das ist oft Detektivarbeit. Wir haben das Auto in einem typischen italienischen Familienbetrieb begutachtet, wo man die Passion spüren konnte – großartiges Fahrzeug, leidenschaftliche Menschen. Solche Momente und Begegnungen machen unseren Beruf aus!

eFUEL-TODAY: Sie sind zwischen Oldtimern, Hebebühnen und dem Geruch von Benzin groß geworden und haben später Fahrzeugtechnik studiert. Was hat Sie an Autos so in den Bann gezogen?

Mein Vater erzählt gerne, wie er mich im Morgan mit dem Maxi Cosi im Fußraum spazieren gefahren hat, wenn ich nicht einschlafen konnte. Ich bin mit Oldtimern aufgewachsen. Wir sind mit einem Porsche 911 F-Modell in den Skiurlaub gefahren. Das war für uns ein Alltagsauto. Und da bleibst du mal liegen. Ich musste also auch Hand anlegen und habe in der Garage geschraubt. Die Begeisterung für Technik, für Fahrzeuge und ihre Geschichte wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Als Teenager war ich noch der Meinung, dass ich als Frau keine Karriere in der Branche machen will. Aber irgendwann konnte ich vor der Technikaffinität nicht mehr flüchten.

eFUEL-TODAY: Neben Ihrem Job als Oldtimer-Gutachterin arbeiten Sie auch als Journalistin und Fotografin und organisieren Oldtimer-Ausfahrten. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Es ergänzt sich sehr gut. Es geht immer um das Thema Auto, aber aus verschiedenen Blickwinkeln. In meinem Gutachter-Job steht der technische Aspekt im Fokus. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir der ästhetische Blickwinkel im Alltag fehlt. Sowohl bei Oldtimern als auch bei modernen Autos. Ich habe mir meine Kamera geschnappt, die mir mein Vater geschenkt hat, und wollte die Ästhetik und die Atmosphäre drumherum einfangen und neben meinem Fahrzeugtechnik-Studium darüber schreiben.

eFUEL-TODAY: Bei Ihnen treffen ständig Tradition und Moderne aufeinander. Sie waren eine Weile Ingenieurin bei McLaren Automotive, aber auch in traditionellen Motorsport-Schmieden wie Kremer Racing beschäftigt und haben als Sachverständige mit E-Autos zu tun. Das klingt nach einem Spagat …

Ich bin als Allrounderin aufgewachsen. Als Ingenieurin interessiert mich die Vergasereinstellung eines Oldtimers genauso wie moderne Antriebstechnologien, etwa Wasserstoff oder batteriebetriebene Autos. Ich kann mich für beides begeistern und muss es auch. Ich beschäftige mich an einem Tag morgens mit einem Porsche 911 G-Modell und nachmittags mit einem Tesla Model S. Der gemeinsame Nenner ist die Technik.

eFUEL-TODAY: Was nehmen Sie aus dem Wechsel zwischen den Welten mit?

Für mich ist das Auto mehr als ein Bewegungsmittel. Es ist ein Kulturgut. Und sollte gesellschaftlich auch als solches anerkannt werden. Wir identifizieren uns über Fahrzeuge, Typen und Marken, so sind wir aufgewachsen in unserer Gesellschaft. Ich habe viel mit Menschen zu tun, die einen starken Bezug zu ihrem Fahrzeug haben. Diese emotionale Bindung gibt es nicht nur bei Oldtimern, sondern auch bei modernen Autos. Das macht es für mich so spannend. Ein Fahrzeug wird erst lebendig durch die Verbindung mit einem Menschen und die Geschichte, die sich dahinter verbirgt.

eFUEL-TODAY: Inwieweit sehen Sie E-Fuels als Chance, zum Beispiel Oldtimer für die Zukunft zu bewahren?

Das ist eine tolle Möglichkeit. Meine Erfahrung ist: Der Oldtimer-Liebhaber ist nicht gegen neue Technologien, sondern oft offen für beide Welten – alte Werte und Fortschritt. Ich glaube nur, dass die Leute noch Vorbehalte wegen der Probleme rund um das Thema Bioethanol haben. Das ist ja teilweise nicht kompatibel mit Oldtimern. Deshalb ist es ganz wichtig, mehr Aufklärung zu betreiben, dass diese Problematik mit E-Fuels nicht besteht, weil sie den herkömmlichen Kraftstoffen als Drop-In-Fuel so ähnlich sind. Vielleicht würden Langzeit-Studien da noch mehr Vertrauen schaffen. Ich selbst würde mit E-Fuels fahren.

Laura Kukuk ist Fahrzeugtechnik-Ingenieurin und Oldtimer-Expertin. Gemeinsam mit ihrem Vater leitet sie im nordrhein-westfälischen Overath ein Ingenieurbüro als KfZ-Sachverständige mit Spezialisierung auf besondere Fahrzeuge

eFUEL-TODAY: Sehen Sie auch Möglichkeiten für E-Fuels im allgemeinen Verkehr?

Es werden heute mehr Verbrennungsmotoren produziert als Elektro-Fahrzeuge und Hybridautos. Für die braucht es auch einen Lösungsansatz. Zumal man die bestehende Infrastruktur an Tankstellen nutzen kann und Autos heutzutage immer länger gefahren werden. Insgesamt glaube ich für die Zukunft an eine Synergie verschiedener Antriebstechniken und nicht daran, dass sich eine Technologie allein durchsetzen wird, weil alle Vor- und Nachteile haben. Batterien sind ein Wegbereiter, E-Fuels können ebenfalls zum Erreichen der Klimaziele beitragen. Wasserstoff könnte morgen zwar auf die Straße gebracht werden, aber es fehlt die Infrastruktur.

eFUEL-TODAY: Worin liegen aus Ihrer Sicht genau die Vor- und Nachteile der verschiedenen Technologien?

Elektroautos eignen sich gut für die Stadt, sind in der Anschaffung aber teurer als ein Verbrenner, die Lebensdauer der Batterie ist begrenzt, und der Strom ist oft nicht günstiger als herkömmlicher Kraftstoff – es ist eine kostspielige Angelegenheit. Das kann sich nicht jeder leisten. Bei Elektrofahrzeugen brauchen wir zu jeder Zeit die Möglichkeit, Strom zu laden. Daher würde es nicht funktionieren, wenn wir morgen alle Autos durch Elektrofahrzeuge ersetzen. Denn es dürfte schwierig werden, die Grundlast sowie den schwankenden Strombedarf „just in time“ abzudecken. Die Gefahr der lokalen Netzüberlastung steigt mit der Anzahl an Elektrofahrzeugen. Die politischen Rahmenbedingungen müssen ebenfalls erst entwickelt werden, etwa durch einen besseren Zugang zu Ladestationen. Nun könnte man argumentieren: E-Fuels werden auch mit Strom hergestellt. Aber hier wird der ungenutzte Strom verwendet und nicht der, der in den Hochzeiten ins normale Netz eingespeist werden muss. Der Preis wird bei E-Fuels genauso wie beim Elektrofahrzeug eine Rolle spielen. Wenn er einen gewissen Prozentsatz über dem herkömmlichen Preis für Benzin oder Diesel liegt, dann leistet wohl jeder seinen Beitrag dazu – wie heute bei Bio-Produkten im Supermarkt auch.

eFUEL-TODAY: Wie sieht die jüngere Automobil-Szene das Thema Nachhaltigkeit? Tauschen Sie sich da aus?

Ja, das Thema wird diskutiert. Ich denke, die Gesellschaft ist momentan in einem Aufwach-Moment. Das braucht aber seine Zeit und mehr Aufklärung, um in den Köpfen jedes Einzelnen anzukommen. Junge Ingenieurinnen und Ingenieure könnte man über die Hochschulen erreichen, die breite Masse über Influencerinnen und Influencer in den sozialen Medien, die zum Beispiel E-Fuels mal testen. Die Hersteller müssen das Thema vorantreiben, jeder Einzelne muss informiert werden, welchen Beitrag man für eine klimafreundliche Zukunft leisten kann.

eFUEL-TODAY: Denken Sie, jeder ist bereit dazu?

Die Regierung muss meiner Meinung nach auch mit ins Boot und das Angebot fördern, denn das bestimmt die Nachfrage. Zum Beispiel, indem E-Fuels genauso viel kosten wie herkömmlicher Sprit. Es muss zum Trend werden. So wie glutenfreie Produkte mittlerweile im Supermarkt total gefragt sind, obwohl nicht jeder eine Gluten-Unverträglichkeit hat. Tesla leistet mit seinem Image einen großen Beitrag dazu, dass das Elektroauto ein Trend ist. Bei Biokraftstoffen ist der Zug meiner Meinung nach abgefahren, aber vielleicht gelingt das in Zukunft mit E-Fuels.

„Jedes Auto wird erst lebendig durch die Verbindung mit einem Menschen und die Geschichte, die sich dahinter verbirgt“

Zur Person:

Laura Kukuk, 28, hat Fahrzeugtechnik studiert und nach ihrem Abschluss unter anderem als Entwicklungsingenieurin bei McLaren Automotive gearbeitet. Gemeinsam mit ihrem Vater Klaus Kukuk leitet sie heute als Kfz-Sachverständige ein Ingenieurbüro in Overath (kukuk.com). Ihre Spezialgebiete sind Oldtimer, Rennfahrzeuge und moderne Hochvolttechnik. Daneben ist sie seit 2017 Jurorin bei verschiedenen Concours-Veranstaltungen für Autoklassiker. Als Classic-Car-Fans schreibt und fotografiert sie auch für soziale Medien und ihren eigenen Blog (laurakukuk.com).

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