Im Interview mit Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen (bft), sprechen wir über die aktuelle Preissituation an deutschen Tankstellen und die Folgende des Ukraine-Konfliktes für die weitere Entwicklung des Marktes für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel

eFUEL-TODAY: Herr Zieger, seit Tagen steigen die Preise an den Zapfsäulen. Experten erwarten, dass bald die Drei-Euro-Grenze geknackt wird. Warum hat der Krieg in der Ukraine einen solch großen Einfluss auf die Preise an den Tankstellen in Deutschland?

Es geht darum, dass Ware, die wir physisch haben und brauchen, sprich Rohöl und die daraus hergestellten Produkte, vom Markt verschwinden beziehungsweis erst gar nicht mehr ins Land reinkommt und sie damit nicht mehr zur Verfügung stehen. Etwa ein Drittel der Rohölmengen und Mitteldestillate wie Diesel sind in Deutschland immerhin russisch beziehungsweise russisch beeinflusst. In dieser Knappheitssituation steigen ganz einfach entsprechend die Preise.

Manche unterstellen den Tankstellenunternehmern, dass sie sehr wohl von den hohen Preisen profitieren. Stimmt das?

Nein, das ist nicht richtig. Aktuell wissen unsere Mitglieder gar nicht mehr, welchen Preis sie am Preismast einstellen sollen, damit sie wenigstens keinen Verlust machen. Viele Mitglieder verkaufen im Moment nicht kostendeckend. Denn genauso schnell wie die Verkaufspreise an der Tankstelle steigen, steigen ja auch die Einkaufspreise. Zur Zeit verkaufen wir, um die nächste Lieferung zu bezahlen, heißt: Wenn die Preise steigen, muss ich auch ein bisschen mehr haben, damit ich die nächste Rechnung bezahlen kann.

Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen

Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen

In welcher Form könnte der Staat handeln, um die Verbraucher zu entlasten?

Der Staat kann an drei Positionen eingreifen: Einmal bei der Energiesteuer. Beim Benzin sind es 65 Cent und beim Diesel 47 Cent. Er kann eingreifen bei der CO2-Abgabe. Das sind acht Cent beim Diesel und sieben Cent bei Benzin. Oder er kann eine Anpassung der Umsatzsteuer vornehmen. Das sind 19 Prozent vom gesamten Warenwert inklusive aller Steuern und Abgaben. Das ist die größte Schraube, an der der Staat drehen kann. Wenn er wiederum die Energiesteuer und die CO2-Abgabe senken würde, dann reduziert das gleichzeitig auch die Umsatzsteuer. Fest steht: Der Staat muss etwas tun. Unsere Mitglieder sind gezwungen, eine Belastung an ihre Kunden weiterzureichen, die denen die Luft nimmt, weil ihnen das Geld für die Mobilität fehlt. Der Staat sollte deshalb auf einen Teil der Einnahmen verzichten, den er zusätzlich aus Krisengründen in die Kassen gespült bekommt. In welcher Form er das dann am Ende macht, ist egal. Hauptsache wir haben eine deutliche Senkung der Abgabenlast.

Der Staat muss jetzt etwas tun. Welche Steuer oder Abgabe er senkt, ist egal. Hauptsache wir haben eine deutliche Reduzierung der Abgabenlast für die Autofahrer.

Welche weiteren Entwicklungen erwarten Sie an der Zapfsäule?

Ich gehe davon aus, dass die Preise noch ein bisschen raufgehen werden. Da ich aber ein Optimist bin, glaube ich, dass wir es hinkriegen, die Warenströme so umzuleiten, dass wir wieder genügend Ware zum richtigen Zeitpunkt zu vernünftigen Preisen an der Zapfsäule haben.

Höhere Versorgungssicherheit durch E-Fuels

Die aktuelle Situation sowohl an den Zapfsäulen als auch geopolitisch beweist: Bei der Versorgung mit Energie – also auch mit flüssigen Energieträgern – muss auf Vielfalt geachtet werden: Wir brauchen verschiedene Energieträger und verschiedene Energielieferanten. Dabei eignen sich synthetisch erzeugte Kraft- und Brennstoffe (sog. E-Fuels) hervorragend, um diese Unabhängigkeit herzustellen! E-Fuels können viel Energie aufnehmen (hohe „Energiedichte“), sind leicht transportierbar, die Infrastruktur dafür ist vorhanden, man kann sie jetzt schon verwenden und muss nicht die gesamte Antriebstechnik ändern, sondern kann sie beimischen und in bereits produzierten Bestandsfahrzeugen verwenden. So wird Mobilität mit Hilfe der E-Fuels nach und nach grüner.

Mehr Informationen zum Potential der E-Fuels in der Versorgungssicherheit

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