eFUEL-TODAY im Interview mit Professor Fritz Indra. Er blickt auf eine jahrzehntelange Karriere als Motorenentwickler zurück – bei Alpina BMW, bei Audi und vor allem im internationalen General Motors-Konzern. Er sagt: „Synthetische Kraftstoffe sind die beste und effizienteste Methode, um dem Klima wirklich etwas Gutes zu tun“.

eFuel-Today: Warum setzen nach Ihrer Ansicht derzeit so wenige Hersteller auf synthetische Kraftstoffe? Und wird sich das ändern, nachdem China Verbrennungsmotoren bis 2060 weiter zulassen will, gleichzeitig aber deren Emissionen stärker beschränken wird?

China ist uns in den Entscheidungen, welche die richtige Antriebstechnik für die Zukunft ist, meilenweit voraus.

eFUEL-TODAY: Wie meinen Sie das?

Die Chinesen geben Gedankenfreiheit, nachdem sie früh erkannt haben, dass die reine E-Mobilität nicht das ist, was die Kunden wollen und sie vor allem nichts fürs Klima bringt. China fördert jetzt auch wieder die Hochschulen und Institute, die sich mit neuen, noch effizienteren Verbrennungsmotoren zusammen mit synthetischen Kraftstoffen beschäftigen. Sie haben erkannt, dass das für viele Jahrzehnte der einzige Weg ist um dem Klima wirklich zu helfen und Kunden in ihrem Verlangen nach der möglichst freien Fortbewegung zufriedenzustellen.

eFUEL-TODAY: Wie unterscheidet sich die europäische von der chinesischen Denkweise?

In Europa ist das ganz anders. Es wurde von der Politik und Lobbyisten festgesetzt, dass der einzige Weg in die Zukunft die E-Mobilität ist. Gleichzeitig haben sie die E-Autos für sauber erklärt, was eine absolute Mogelpackung ist. Sie haben einfach negiert, dass das Klima ein globales Problem ist und deshalb auch die Herstellkette global zu betrachten ist. Macht man das, so stellt man schnell fest, dass mit jedem produzierten E-Auto das Klima nicht besser, sondern schlechter wird. Nur immer höhere Fördergelder helfen, um reine E-Autos überhaupt an den Mann zu bringen. Auf diesem Irrweg verweigert Europa auch Fördergelder für die Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen. Deshalb ist das Thema in Europa noch nicht so bekannt, aber es ist nicht aufzuhalten und nimmt zurzeit gerade ordentlich an Fahrt auf.

eFUEL-TODAY: CO2-neutrale Kraftstoffe eignen sich für alle Verkehrssektoren, für Pkw, Lkw, Luft- oder Schifffahrt. Wo sollten sie in der Produktionshochlaufphase verstärkt Verwendung finden? 

Diese universelle Verwendbarkeit und die Verwendbarkeit des vorhandenen Tankstellensystems ist ja der große Vorteil dieser neuen Kraftstoffe. Je schwerer Fortbewegungsmittel sind, umso sinnvoller die Anwendung. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ein schwerer Lkw mit batterieelektrischem Antrieb jemals Sinn macht und ein Spediteur, ein teureres und viel weniger weit fahrendes Gefährt in seinen Fuhrpark aufnehmen wird. 

eFUEL-TODAY: Und wie wichtig ist ihre Kompatibilität mit Bestandsfahr- und Flugzeugen? 

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass man vorhandene Motoren – egal bei welchem Fortbewegungsmittel – weiterverwenden kann und genauso schnell nachgetankt werden kann. Der Heiligenschein der E-Mobilität hat ganz viele Menschen verblendet. So glauben einige daran, dass auch Flugzeuge einmal elektrisch fliegen werden. Besonders hier kommt es auf die Energiedichte des Kraftstoffes an. Und dabei sind die heutigen Benzin- oder Kerosin-Treibstoffe unschlagbar. Diese Rolle werden dann synthetische Kraftstoffe übernehmen die ja auch in beliebigen Konzentrationen beigemischt werden können.

eFUEL-TODAY im Interview mit Professor Fritz Indra – © eFUEL-TODAY

 

eFUEL-TODAY: Wann glauben Sie, können für die synthetischen Kraftstoffe Kosten auf dem Niveau der erdölbasierten Pendants erreicht werden? 

Die Kosten von synthetischen Kraftstoffen auf das Niveau von erdölbasierten zu bringen wird nicht möglich sein. Aber man muss sich auch überlegen, was mit den Treibstoffkosten, egal welcher Art, überhaupt geschehen wird.Der Staat wird sich etwas einfallen lassen müssen, weil er nicht auf die horrenden Einnahmen aus der Mineralölsteuer verzichten kann.

eFUEL-TODAY: Müssen für eine Kostenparität möglicherweise unterschiedliche Energiesteuern für herkömmliches Benzin und E-Fuels angesetzt werden?

Jetzt sind wir schon wieder bei der E-Mobilität: Wer glaubt, dass das Fahren mit dem E-Auto umsonst ist, irrt gewaltig. Schon heute ist das Fahren mit Strom oft teurer als mit Benzin oder Diesel – vor allem dann, wenn man auf Nachladen unterwegs angewiesen ist. Aber auch zu Hause wird das Stromtanken für das E-Auto immer teurer, weil durch die höhere Stromentnahme auch die Stromsteuer erhöht wird. Beim öffentlichen Stromladen wird es noch viel teurer, weil der Investor für die Ladesäulen ja sein Geld zurückbekommen will, und das geht nur über den Strompreis.

An den wird auch der Staat rangehen, wenn er vielleicht einmal wirklich weniger Einkünfte aus der Mineralölsteuer bezieht, weil es tatsächlich weniger Verbrenner und mehr E-Autos geben sollte.Unter diesen Gesichtspunkten müssen wir die Kosten für die synthetischen Kraftstoffe sehen.

eFUEL-TODAY: Porsche macht sich stark für synthetische Kraftstoffe. Wo sehen Sie derzeit außerdem ein hohes Engagement für die CO2-neutralen Kraftstoffe?

Im VW-Konzern wurde Porsche ausgewählt, um sich intensiv um dieses Thema zu kümmern. Gut so, ist es doch ein erstes Zeichen dafür, dass zumindest der weltgrößte Automobilhersteller synthetische Kraftstoffe nicht generell ablehnt. Bei Porsche ist es auch deshalb gut aufgehängt, weil man diese Firma nicht nur innerhalb des Konzerns am ehesten mit dem Motorsport in Verbindung bringt. Motorsport war zwar nicht immer, aber oft ein Wegbereiter für neue Technologien. Etwa zum gleichen Zeitpunkt der Porsche-Verlautbarung zu synthetischen Kraftstoffen, hat VW Konzern CEO Herbert Diess erfreulicherweise die angeblich saubere Formel E, bei der hinter den Boxen riesige Dieselmotoren mit Generatoren den Strom für die Autos erzeugen, an den Pranger gestellt. Umso wichtiger ist es jetzt, den Rennsport mit Verbrennungsmotoren, und da gibt es von Motorrädern bis zur Formel 1 ganz viele, sauber hinzubekommen. Und dafür gibt es mit den synthetischen Kraftstoffen die ideale Lösung.

eFUEL-TODAY:  Wünschen Sie sich mehr Unterstützung durch die Politik für diese Technologien?

Nicht nur für den Motorsport, sondern auch für alle anderen Fortbewegungsmittel, egal ob zu Land zu Wasser oder in die Luft, wäre die rasche Entwicklung der synthetische Kraftstoffe die beste und effizienteste Methode, um dem Klima wirklich etwas Gutes zu tun. Eine Unterstützung durch die Politik und die Erkenntnis der politischen Entscheidungsträger, dass die E-Mobilität nicht das allein Seligmachende ist, wäre sehr hilfreich.

eFUEL-TODAY: Was ist Ihr Rat an die Politik?

Die Politik sollte auch bald erkennen, dass man synthetische Kraftstoffe so entwickeln kann, dass sie für Verbrennungsmotoren weitere Vorteile bieten. Durch eine bessere Verbrennung können sowohl der Verbrauch als auch das Abgasverhalten deutlich optimiert werden. Die Chinesen haben schon einen erheblichen Entwicklungsvorsprung. Es ist sehr zu hoffen, dass sich auch Europa möglichst bald für den vielversprechenden Weg zu synthetischen Kraftstoffen entscheiden wird.

/// Prof. Dr. Fritz Indra

1971 bis 1979 Entwicklungsleiter bei BMWAlpina 

1979 bis 1985 Leiter der Motorenkonstruktion bei Audi.

1985 bis 1998 Leiter Motoren-Entwicklung bei Opel und Direktor in der Vorausentwicklung. Lehrbeauftragter der TU Wien

1991 Honorarprofessor für Verbrennungskraftmaschinen

1997 bis 2005 Executive Director in der Vorausentwicklung bei General Motors Powertrain in Detroit.

 

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