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Versorgungssicherheit in Deutschland

Wie sicher ist unsere Versorgung mit Heizöl, Diesel, Benzin, Gas und Kerosin? Kann der deutsche Energie-Markt langfristig mit Konflikten wie dem Ukraine-Krieg umgehen? eFUEL-TODAY klärt auf.

Wie sicher ist unsere Energieversorgung?

Diese Frage hat sich im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 fast jeder gestellt. Wir wollen das Thema hier erst einmal allgemein klären: Welche Energieträger und welche Mengen braucht Deutschland? Und dann schauen wir uns die Versorgungssicherheit im Bereich der flüssigen Energieträger an: Also primär nicht Erdgas – das 2022 vor allem im Zusammenhang mit Nord Stream im Fokus stand – sondern Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin.

Vorweg: Unsere Energieversorgung ist durch viele Vorkehrungen gesichert: Im Bereich Strom gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Stabilisierung des Netzes, die bereits mit der zunehmenden Einspeisung fluktuierender – also nicht kontinuierlich verfügbarer – erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne erprobt bzw. ausgereizt werden. Im Bereich gasförmiger Energieträger wurden 2022 mit dem Gasspeichergesetz Mindestfüllstände für Gasspeicher eingeführt, um eine zu geringe Versorgungslage insbesondere zu Beginn des Winters zu verhindern.

Im Bereich der flüssigen Energieträger wie Rohöl, Diesel, Benzin wurde als Reaktion auf die Ölkrisen in den 1970er Jahren die seit den 1960er Jahren bereits in Anfängen bestehende Bevorratung ausgebaut und gesetzlich verankert. Innerhalb der Europäischen Union kann jedes Mitgliedsland selbst entscheiden, wie es die Bevorratung organisiert. Auch im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA) hat sich Deutschland zur Vorhaltung eines Ölkrisenvorsorgesystems verpflichtet.

Erdöl ist der wichtigste Energieträger in Deutschland. Im Jahr 2021 stammte laut AG Energiebilanzen (AGEB) knapp 32% der hier verbrauchten Primärenergie aus Mineralöl.

Wie wird die Bevorratung von Erdöl sichergestellt?

Der Erdölbevorratungsverband (EBV) hat die gesetzliche Aufgabe, für den Fall von Versorgungsstörungen Erdölerzeugnisse für mindestens 90 Tage vorrätig zu halten. Das heißt, es werden Rohöl, Benzin, Diesel, Heizöl EL (sogenanntes Leichtes Heizöl) und Kerosin in verschiedenen Kavernen und Tanklagern über das gesamte Bundesgebiet verteilt gelagert. Kommt es zu einem Engpass, stellt der EBV auf Anweisung des Wirtschaftsministeriums seinen Mitgliedern einen Teil der Bevorratung zur Verfügung und diese können sie am Markt zu den dann jeweils geltenden Preisen anbieten. Die eingelagerten Bestände müssen regelmäßig auf ihre Qualität geprüft und ggf. aufgefrischt werden. Finanziert wird die Erdölbevorratung nicht über öffentliche Mittel, sondern vorrangig über die Mitgliedsbeiträge der im EBV vereinten Mineralölunternehmen, deren Mitgliedschaft verpflichtend ist. Der gesamte Vorrat an Rohöl und Mineralölprodukten ist allerdings noch wesentlich größer, denn Unternehmen, die diese Produkte für ihre Tätigkeit brauchen – wie zum Beispiel Raffinerien – halten darüber hinaus auch noch eigene Bestände.

E-Fuels können einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten

Die fossilen Energieträger Erdgas und Erdöl zu ersetzen wird eine Mammutaufgabe. Die Folgen der Abhängigkeit von einem Energielieferanten und einem Energieträger wurden uns mit der Energiekrise 2022 deutlich vor Augen geführt. E-Fuels können helfen, die Energiequellen zu diversifizieren und die Energieversorgung auf viele Quellen und Lieferanten zu verteilen. Dazu muss die Infrastruktur für die Herstellung der E-Fuels weiter ausgebaut werden, auch wenn insbesondere die politischen Rahmenbedingungen für eine industrielle Produktion von synthetischen Kraftstoffen noch nicht überall gegeben sind.

Die Energiekrise 2022 hat gezeigt: Bei der Versorgung mit Energie – also auch mit flüssigen Energieträgern – muss auf Vielfalt geachtet werden: Wir brauchen verschiedene Energieträger und verschiedene Energielieferanten. E-Fuels und synthetisch erzeugte Kraft- und Brennstoffe können dazu beitragen, Abhängigkeiten zu verringern. Sie haben eine hohe Energiedichte, sind leicht transportierbar, die Infrastruktur dafür ist vorhanden, sie können in dafür geeigneten Fahrzeugen genutzt werden, und man muss nicht die gesamte Antriebstechnik ändern, sondern kann sie beimischen. So können die CO2-Emissionen im Verkehr schrittweise gesenkt werden.

Versorgungssicherheit: Fakten und Interviews

”“Eine besorgniserregende Situation, doch kein Grund jetzt Heizöl zu hamstern”

Dr. Hans WenckGeschäftsführer des AFM+E, dem Aussenhandelsverband für Mineralöl und Energie (Interview März 2022)

Zum Zeitpunkt des Interviews war noch fraglich, inwieweit die Importe von Erdöl und Erdgas sowie Ölprodukten aus Russland durch den Krieg in der Ukraine beeinträchtigt werden. Im Falle ausbleibender Lieferungen würden die Preise für Produkte wie Heizöl aber ansteigen. Zum Teil könne dieser Rückgang an Heizölimporten aus Russland aber durch Importe aus anderen Ländern aufgefangen werden. Verbraucher sollten bei Bedarf die Heizöltanks moderat befüllen und nicht anfangen, Heizöl zu hamstern. Hierfür bestehe keine Veranlassung.

”“Mich hat es bereits seit längerem verwundert, dass in den öffentlichen Gesprächen und Narrativen zur Energiewende die Versorgungssicherheit eine so geringe Rolle gespielt hat”

Frank SchaperGeschäftsführer des MEW, Geschäftsführer UTV e.V. (Interview März 2022)

In dem Interview geht es um die Bedeutung der Erdölbevorratung für die Versorgungssicherheit in Deutschland. Unter Erdölbevorratung versteht man eine staatlich koordinierte Bevorratung von flüssigen Energieträgern, auf die im Falle einer länger anhaltenden Versorgungskrise zurückgegriffen werden kann. Die Reserve muss für 90 Tage reichen, Deutschland mit Erdölprodukten zu versorgen.

”“Der Staat muss jetzt etwas tun. Welche Steuer oder Abgabe er senkt, ist egal. Hauptsache wir haben eine deutliche Reduzierung der Abgabenlast für die Autofahrer”

Stephan ZiegerGeschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen (bft) (Interview März 2022)

Im Interview beschreibt Stephan Zieger, dass davon auszugehen sei, dass die Preise für Kraftstoffe noch etwas steigen werden und dass der Staat hier durch die Senkung der Abgabenlast zur Entlastung der Autofahrer beitragen muss. Zudem sei denkbar, dass durch die zielgerichtete Umleitung der Warenströme zeitnah wieder ausreichend Ware zum richtigen Zeitpunkt zu vernünftigen Preisen an den Zapfsäulen der Tankstellen zur Verfügung steht und die Preise damit wieder sinken.

Welchen Beitrag können E-Fuels zur Versorgungssicherheit leisten?

Was sind E-Fuels?

Als E-Fuel bezeichnet man alle Arten von Kraftstoffen, die mit der Hilfe erneuerbarer Energien künstlich (also synthetisch) hergestellt werden. Im Herstellungsprozess wird dabei mit Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellter Wasserstoff mit CO2 aus der Luft oder aus Industrieprozessen (z.B. mittels Carbon Capturing) in einem chemischen Verfahren zu einem Kohlenwasserstoff verarbeitet, der als Grundbaustein für flüssige Kraftstoffe fungiert. Im Unterschied zu fossilem Erdöl benötigt dieses synthetisch hergestellte Rohöl kein Erdöl als Rohstoff. Stammt das CO2 aus der Luft oder aus biogenen Quellen, wird bei der Verbrennung bilanziell nur so viel CO2 freigesetzt, wie zuvor gebunden wurde. Emissionen aus Herstellung und Transport sind darin nicht enthalten. E-Fuels benötigen zudem keine Anbaubiomasse als Rohstoff.

Wofür brauchen wir E-Fuels?

Die angespannte Versorgungslage mit Mineralölprodukten und Rohöl aufgrund des Krieges in der Ukraine hat den Markt für flüssige Brennstoffe und Gas 2022 weltweit in Unsicherheit versetzt. Handelsbeschränkungen und Sanktionen gegen Russland haben aufgedeckt, wie empfindlich die deutsche und europäische Wirtschaft von Lieferengpässen auf dem Markt von fossilen Brennstoffen betroffen sein kann. Es stellt sich die Frage, ob wir die Abhängigkeit von Importen verringern könnten, wenn wir in der Herstellung von synthetischen Brennstoffen wie E-Fuels besser aufgestellt wären.

E-Fuels haben das Potenzial, ein wichtiger Baustein einer Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien zu werden. Denn neben den Bestandsfahrzeugen können auch vorhandene Versorgungs-, Distributions- und Lagerinfrastrukturen mit E-Fuels weiterhin genutzt werden. Bei ausreichender Verfügbarkeit könnten Bestandsfahrzeuge und -anlagen also mit E-Fuels betrieben werden, ohne dass dafür zuerst neue Fahrzeuge oder Antriebstechniken produziert werden müssen. Darüber hinaus sind flüssige Energieträger nach wie vor die einfachste Art, Energie mit geringen Verlusten auch über einen längeren Zeitraum zu speichern und über größere Distanzen hinweg zu transportieren, was gerade in Krisenzeiten ein wichtiger Vorteil sein kann.

Wie werden E-Fuels hergestellt?

Das Prinzip der Herstellung von E-Fuels lässt sich einfach erklären. E-Fuels werden prinzipiell aus CO2 und Wasser hergestellt, es wird kein Erdöl für die Herstellung benötigt. Im Herstellungsprozess der E-Fuels werden jedoch die chemischen Moleküle, aus denen fossiles Erdöl besteht, nachgebaut. Mit diesem synthetisch hergestellten Rohöl-Substitut können dann die gängigen Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel in herkömmlichen Raffinerien hergestellt werden.

Ein Prozess für die E-Fuel Herstellung ist die Fischer-Tropsch-Synthese. Hier wird der Wasserstoff mit Kohlendioxid kombiniert und über mehrere Schritte zu einem flüssigen Kraftstoff synthetisiert. Es gibt darüber hinaus den Weg über die Methanol-Synthese. Es sind unterschiedliche Verfahren zur Herstellung von synthetischen Diesel- und Kerosin- bzw. Benzinkomponenten. Die Abbildung zeigt das schematisch. Hier findest du weitere Infos zur Herstellung von E-Fuels.

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