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Der nachhaltige Diesel-Ersatz HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) ist der neue Stern am Himmel der nachhaltigen Kraftstoffe. Anders als die noch nicht in der Breite verfügbaren E-Fuels, wird HVO in diesem Jahr viele Tanksäulen in Deutschland erobern. Im EU-Ausland ist dieser grüne Diesel schon lange fester Bestandteil des Kraftstoffangebotes an den Tankstellen und erfreut sich dort großer Beliebtheit. HVO kann dabei problemlos in bestehende Fahrzeuge mit Dieselmotor getankt werden und hat dabei eine sogar noch höhere Qualität als herkömmlicher fossiler Diesel.

Die Herstellung von HVO ist ein faszinierender Prozess, der nicht nur die Energiewirtschaft, sondern auch die Umwelt positiv beeinflussen kann. Besonders spannend ist dabei der Blick auf den Feedstock, also die Rohstoffe, die für die Produktion dieses neuartigen, nachhaltigen Kraftstoffs verwendet werden können.

Der Rohstoffpool zur Herstellung von HVO

Für die Herstellung von HVO können zusammen gefasst drei Gruppen von Rohstoffen herangezogen werden. Dies sind:

  • Lebensmittelreste und Altspeisefette,
  • Klärschlämme oder andere organische Abfälle
  • sowie sonstige biogene Reststoffe – etwa jene, aus denen auch ein Biodiesel gewonnen werden könnte.

Es fällt auf, dass die Rohstoffe zur Herstellung von HVO somit vornehmlich aus Abfallströmen stammen.

Diese Abfälle haben zwei große Vorteile: Erstens steigt ihre Verfügbarkeit mit der wachsenden Weltbevölkerung, dies ist gerade für bevölkerungsreiche Entwicklungsländer entscheidend. Zweitens werden diese Abfallströme für gewöhnlich keiner höherwertigen Nutzung mehr zugeführt, eine Teller-Tank-Diskussion, wie bei Biogas oder auch Biodiesel, gilt hier also nicht. Im besten Fall werden diese Abfälle ohnehin mehr oder minder direkt „verbrannt“ und Ihre Schadstoffe gelangen somit teils ungefiltert in unsere Atmosphäre.

Der HVO-Herstellungsprozess

Der eigentliche Herstellungsprozess beginnt mit der Vorbehandlung und der Reinigung der Rohstoffe. Je nach Herkunft und Grad der Verunreinigung der Ausgangsstoffe ist dieser Abschnitt mehr oder weniger aufwändig. Anschließend werden die aufbereiteten Pflanzenöle einem zweistufigen chemischen Prozess unterzogen – dem sogenannten Hydroprocessing.

Eingangs werden die Pflanzenöle unter hohem Druck und hohen Temperaturen in der Gegenwart eines Katalysators mit grünem Wasserstoff hydriert. Im Anschluss daran werden in einer Isomerisierung die Molekülstrukturen der Fettsäuren weiter modifiziert, um beispielsweise die Fließeigenschaften das Kraftstoffes zu optimieren. Der Herstellungsprozess findet seinen Abschluss in der Destillation und Reinigung des Endproduktes.

Am Ende des Prozesses steht dann ein zu einhundertprozentiges HVO (oder einfach: HVO 100), welches dann auch mit herkömmlichen Diesel gemischt – in der Fachsprache auch „blending“ bezeichnet – werden kann. Ganz nach den jeweils benötigten technischen Eigenschaften und auch in Abhängigkeit des gewünschten Produktpreises kann so für die jeweilig folgende Anwendung entweder ein reines HVO 100 oder ein HVO-Diesel-Blend zum Einsatz kommen. Bereits jetzt finden sich HVO-Diesel Blends an den Tankstellen in Deutschland, jedoch bisher mit i.d.R. maximal 25% HVO-Beimengung, damit diese nicht unter die XTL-Freigabe fallen, sondern noch unter die bisherige Diesel-Norm B7 (DIN EN 590).

Die Herstellung von HVO Kraftstoff im Detail: Von der Reinigung der Rohstoffe, über das Hydroprocessing bis zur Anwendung

HVO ist bilanziell bis zu 90% CO2-neutral

Da HVO aus regenerativen Rohstoffen hergestellt wird, müsste dieser Kraftstoff doch eigentlich zu einhundert Prozent klimaneutral sein, oder etwa nicht? Viele Hersteller von HVO geben die bilanzielle CO2-Neutralität ihres Endproduktes mit 80% bis 90% an. Die Korrektur erfolgt dabei aufgrund des Energieaufwandes in der Herstellung und auch aufgrund der Einrechnung aller notwendigen Logistikwege.

HVO fügt sich nahtlos in die bestehende Diesel-Infrastruktur ein

HVO zeichnet sich nicht nur durch seine Umweltfreundlichkeit aus, sondern auch durch seine Kompatibilität mit bestehenden Diesel-Fahrzeugen. Moderne Dieselmotoren bedürfen keiner zusätzlichen Modifikationen, um HVO verwenden zu können. Dies macht den Übergang zu diesem nachhaltigen Kraftstoff für Flottenbesitzer und Einzelpersonen gleichermaßen attraktiv und kann somit nahtlos erfolgen, was ihn zu einer praktikablen Lösung für die sofortige Reduzierung der Umweltauswirkungen des Verkehrssektors macht.

HVO kann nahtlos im bestehenden Tankstellen-Netzwerk eingesetzt werden und erfordert keine gesonderte technische Anpassungen an der Zapfsäule

Ein weiterer entscheidender Vorteil von HVO gegenüber fossilem Diesel ist die verbesserte Qualität des Kraftstoffs. HVO neigt weniger dazu, Ablagerungen in Motoren zu bilden, was zu einer längeren Lebensdauer der Fahrzeuge und zu geringeren Wartungskosten führt. Darüber hinaus hat HVO eine höhere Energiedichte und ergibt verbesserte Kraftstoffeffizienz und höhere Reichweite pro Tankfüllung. Diese Eigenschaften machen HVO nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch wirtschaftlich attraktiv – für gewerbliche wie private Kunden gleichermaßen.

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